Sonntag, 08.11.2026, 18.00 Uhr

Ernst-Reuter-Saal

Konzert Classics

Katharina Thalbach

„Die widerspenstige Witwe“

Foto © Pascal Bünning

Wenn Katharina Thalbach liest, wird Literatur zum Kino im Kopf: Mit ihrer unverwechselbaren Stimme, ihrem feinen Gespür für Timing und ihrer Liebe zu den Figuren erweckt sie Georgette Heyers Roman „Die widerspenstige Witwe“ zum Leben. Georgette Heyer ist ihre erklärte Lieblingsautorin aus der Welt der englischen Unterhaltungsliteratur.

Georgette Heyer erzählt von klugen, eigenwilligen Heldinnen, die sich in einer von Männern dominierten Gesellschaft behaupten – und Katharina Thalbach verleiht diesen Frauenfiguren eine eindringliche, heutige Stimme. Ein Literaturerlebnis über weibliche Selbstbestimmung, Witz und Widerständigkeit.

Katharina Thalbach wurde in Berlin als Tochter der Schauspielerin Sabine Thalbach und des Regisseurs Benno Besson geboren. Bereits im Alter von vier Jahren spielte sie erste Kinderrollen. Mit 13 Jahren wurde sie Meisterschülerin von Helene Weigel. Ihre erste Bühnenrolle verkörperte sie mit 15 Jahren in der „Dreigroschenoper“ in einer Inszenierung von Erich Engel.

1976 zog Katharina Thalbach im Zuge der Ausbürgerung Wolf Biermanns aus der DDR gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten, dem Schriftsteller Thomas Brasch, nach West-Berlin. Neben zahlreichen Theaterengagements trat sie regelmäßig in bedeutenden Kinofilmen auf, unter anderem in Margarethe von Trottas „Das zweite Erwachen der Christa Klages“ und Volker Schlöndorffs „Die Blechtrommel“.

Anfang der 1990er-Jahre war sie Mitglied des Schauspielensembles am Schiller Theater. Dort debütierte sie mit „Macbeth“ als Regisseurin in der Werkstattbühne. Es folgten „Minna von Barnhelm“ und „Was ihr wollt“. Mit Coline Serreaus „Hase Hase“ in der Regie von Benno Besson feierte sie einen Sensationserfolg.

Nach der Schließung des Theaters im Jahr 1993 arbeitete sie unter anderem für das Maxim Gorki Theater und das Thalia Theater in Hamburg. Mit der freien Opernproduktion „Don Giovanni“ im Berliner E-Werk sammelte sie 1997 erste Erfahrungen als Opernregisseurin. Es folgten „Orpheus in der Unterwelt“ in Basel, „Salome“, „Jenůfa“ und „Rotter“ in Köln sowie „Hänsel und Gretel“ in Dresden. An der Deutschen Oper Berlin debütierte sie im Jahr 2000 mit Janáčeks „Das schlaue Füchslein“.

Die vielfach ausgezeichnete Schauspielerin – unter anderem erhielt sie den Deutschen Filmpreis, den Sonderpreis des Deutschen Hörbuchpreises für ihr Lebenswerk und das Bundesverdienstkreuz – lebt in Berlin und spielt und inszeniert regelmäßig an der Komödie am Kurfürstendamm. Ihre Tochter Anna und ihre Enkelin Nellie sind ebenfalls erfolgreiche Schauspielerinnen.